Wer im Schichtbetrieb arbeitet, weiß, wann er dran ist. Alle anderen nicht. Ob der Vater am Samstag frei hat, ob der Kumpel am Donnerstag zum Grillen kommen kann, ob sich ein Familienfest überhaupt auf ein Wochenende legen lässt: Diese Frage stellt sich nicht der Schichtarbeiter, sondern sein Umfeld. Beantwortet hat sie einmal eine App. Die gibt es schon lange nicht mehr.
Das Problem war kein technisches
Es ging nie um Software. Es ging um eine einzige Frage: Arbeitet er an dem Tag, oder hat er frei? Wer die Antwort braucht, steht meist selbst nicht in der Schicht. Es sind Partnerinnen, Eltern, Kinder, Freunde, die einen Termin legen wollen und vorher wissen müssen, ob es überhaupt passt.
Solange es die App gab, hat das niemanden beschäftigt. Danach hat sich jeder irgendwie beholfen: nachfragen, im Kopf mitzählen, den ausgedruckten Kalender an die Pinnwand hängen. Das ging lange so, denn eine Lücke, an die man sich gewöhnt hat, fühlt sich irgendwann nicht mehr wie eine Lücke an.
Bis jemand fragt, warum das eigentlich noch niemand gelöst hat.
Warum sich das keiner merken kann
Es gibt zwei Modelle nebeneinander. Die 3×12-Stunden-Schicht mit den Gruppen I, II und III, und die 4×12-Stunden-Schicht mit den Gruppen A, B, C und D. Macht sieben Gruppen, die sich jeden Tag weiterdrehen. Tagschicht, Nachtschicht, frei, und morgen ist alles einen Schritt weiter.
Dazu kommt eine Feinheit, die von außen niemand sieht: In der 4×12-Schicht liegen zwei freie Tage hintereinander, die praktisch sehr verschieden sind. Der erste kommt direkt nach der Nachtschicht. Man ist um sechs Uhr morgens zu Hause und schläft. Der zweite ist der eigentliche freie Tag. Wer für diesen Menschen etwas plant, sollte den Unterschied kennen.
Die Frage, die alles entschieden hat
Die erste Frage war nicht, wie man so eine App baut. Die erste Frage war: Gibt es eine Regel, oder gibt es Ausnahmen?
Also den offiziellen Schichtkalender für 2026 genommen und nach Ausnahmen gesucht. Es gab keine. Beide Modelle sind reine Rotationen:
- 3×12-Schicht, drei Tage Zyklus:
TN-,N-T,-TNfür I, II, III - 4×12-Schicht, vier Tage Zyklus:
TN--,N-T-,--NT,-T-Nfür A, B, C, D
Verankert auf den 1. Januar 2026. Man zählt die Tage seit diesem Datum, teilt durch drei beziehungsweise vier, nimmt den Rest, fertig. Das ist die ganze Logik.
Und weil es eine Rechnung ist und keine Tabelle, braucht die Seite keine hinterlegten Daten. Sie rechnet jedes beliebige Jahr aus, vorwärts wie rückwärts, und muss nie gepflegt werden.
Gegen 365 Tage geprüft
Eine Formel, die an 360 Tagen stimmt und an fünf nicht, ist schlimmer als gar nichts. Wer sich darauf verlässt und dann vor verschlossener Tür steht, benutzt sie nie wieder.
Deshalb wurde die Rechnung gegen alle 365 Tage des offiziellen Kalenders geprüft. Null Abweichungen. Später kam ein Screenshot der offiziellen App dazu, ebenfalls zeichenweise übereinstimmend. Zwei Quellen, unabhängig voneinander.
Diese Prüfung hat länger gedauert als das Programmieren. Das ist kein Widerspruch, sondern die richtige Reihenfolge.
Was eine Stunde nach der Idee online war
Eine Seite, die man auf dem Handy aufmacht: Tag antippen, ablesen. Für alle sieben Gruppen steht da, wer Tagschicht hat, wer Nachtschicht und wer frei ist. Dazu ein Fenster über drei Tage, also Vortag, gewählter Tag und Folgetag, weil man beim Planen fast immer auch wissen will, was drumherum passiert.
Kein Konto, keine Anmeldung, kein Download. Adresse aufrufen und benutzen. Das war der Kern, und der stand ungefähr eine Stunde nach der Idee. Nicht eine Stunde nach dem Verschwinden der App, sondern eine Stunde nachdem sich jemand hingesetzt und gefragt hat, ob das überhaupt schwer ist.
Was danach noch dazukam
Der Rest ist über die folgenden Tage gewachsen, und das gehört zur ehrlichen Fassung dieser Geschichte dazu:
- eine eigene Adresse, schichtfinder.de, die alte leitet dauerhaft dorthin um, damit geteilte Links weiter funktionieren
- Installation auf dem Startbildschirm, sie verhält sich dann wie eine App
- eine zweite Ansicht im Spielautomatenlook, der Schicht-O-Mat, für alle die es lieber verspielt mögen
- Feiertage für Rheinland-Pfalz, ebenfalls gerechnet statt eingetragen
- die Unterscheidung der beiden freien Tage, abgeleitet aus den Nachbartagen
- eine Statistik ohne Cookies, damit sichtbar ist, ob die Seite überhaupt jemand nutzt
Bewusst nicht übernommen wurden Logo und Gestaltung der Gewerkschaft. Die Seite trägt eine eigene neutrale Marke und sagt deutlich, dass sie ein privates Projekt ist. Das ist keine Förmlichkeit, sondern der Unterschied zwischen einem Ersatz und einer Nachahmung.
Was du daraus für deinen Betrieb mitnimmst
Die Geschichte klingt nach einem Nebenprojekt, aber das Muster kennst du aus deinem eigenen Laden.
Erstens: Die meisten Probleme, die nach Software klingen, sind Regeln, die niemand aufgeschrieben hat. Wer sagt, er bräuchte ein System für die Einsatzplanung, meint oft, dass nie festgehalten wurde, nach welcher Regel eigentlich geplant wird. Steht die Regel, ist die Software klein.
Und das erklärt auch, warum die Lücke so lange bestand. Nicht weil es schwer war. Sondern weil niemand gefragt hat, ob es eine Regel gibt. In deinem Betrieb liegen solche Fragen auch herum.
Zweitens: Die Stunde war nicht die Leistung. Die Stunde war möglich, weil vorher die Regel gefunden war. Wer sofort anfängt zu bauen, baut eine Tabelle mit 365 Zeilen, die jedes Jahr neu gepflegt werden muss.
Drittens: Etwas, das läuft, schlägt jedes Konzept, das es beschreibt. Der Schichtfinder war online, bevor man ihn hätte ausführlich planen können. Genau so gehe ich auch in Betrieben vor.